Entstehung

Eine Waldorfschule in Schwarzafrika? Wie konnte diese Idee in die Tat umgesetzt werden?

Die Initiatorin der ersten Waldorfschule zwischen Kenia und Johannesburg, der ersten Schule Schwarzafrikas, war Nani Croze aus Kenia. Als Tochter des Holzschnittkünstlers Hap Grieshaber, besuchte sie als Jugendliche mehrere Jahre eine Waldorfschule, als Biologin arbeitete sie mit Konrad Lorenz (Mitbegründer der vergleichenden Verhaltensforschung) zusammen und ging als Elefantenforscherin mit ihrem Mann nach Kenia. Drei Kinder hatte sie dort großgezogen und in der Nähe Nairobis eine Werkstatt als Glaskünstlerin aufgebaut, die sie über die Jahre hinweg über die Grenzen bekannt machte. Eben diese Nani Croze gründete einen Schulverein :
,,Steiner School Educational Trust.“ Freudige und engagierte Pädagogen wollten für dieses Projekt gewonnen werden. Die Verbindung zwischen Nani Croze und dem späteren Gründerehepaar  kam durch einen langjährigen Waldorflehrer und –ausbilder aus Frankfurt zustande. Dieser war als Berater der südafrikanischen Waldorfschulen und als Mitglied eines internationalen Beratungsgremiums für Afrika zuständig. Während einer Delegiertentagung stellte er 1988 die Idee zur Gründung einer Waldorfschule in Kenia/Nairobi vor und erhoffte sich pionierfreudige Kollegen, die diese Herausforderung annehmen würden.

Die Gründer liebäugelten schon längere Zeit mit dem Gedanken, einige Jahre im Ausland zu verbringen. Spontan fühlten sich beide von diesem Projekt angesprochen. Zu der Zeit unterrichteten beide als Klassenlehrer an einer Waldorfschule im Ruhrgebiet.

Pfingsten 1989 trat der Gründungslehrer seine Reise nach Kenia/Nairobi an. Seine Frau blieb ein weiteres Jahr in Deutschland, um den Lebensunterhalt für dieses riskante Unternehmen für ein Probejahr zu sichern.

Er fand und mietete ein kleines Häuschen, das zum Kindergarten ausgebaut wurde. In der ersten Zeit war eben dieser Kindergarten Unterkunft und Zuhause für das Ehepaar aus Deutschland. Ende des Sommers fand die offizielle Eröffnung des Kindergartens mit wenigen Kindern statt. Im Laufe des Jahres erhöhte sich ihre Zahl auf 16. Doch bereits im Januar 1990 gab es 4 schulreife Kinder und der Lehrer gründete die erste Waldorfschule in Ostafrika, unmittelbar vor den Toren Nairobis. Das kenianische Schuljahr begann mit dem Kalenderjahr. Von einer Nachbarin, einer Direktorin einer kenianischen Oberschule, wurde ihnen das kenianische Schulsystem erklärt. Seit der Unabhängigkeit Kenias 1964, baute die Regierung ein eigenes Schulsystem auf, das sich an den strengen Richtlinien des englischen Schulsystems orientiert: 8-4-4-System. Die Kinder besuchen 8 Jahre eine Grundschule, müssen danach eine Prüfung für eine weiterführende ,,Secondary-School“ (4 Jahre) absolvieren und danach 4 Jahre an einer Universität studieren.

 

Viele Eltern suchten nach einer besseren Schulausbildung für ihre Kinder, doch teure Privatschulen konnte und kann sich die einheimische Bevölkerung nicht leisten. So ist es häufig nur einem Kind einer Familie möglich, eine Schule zu besuchen.

Man wurde auf ein acht Hektar großes Land aufmerksam gemacht, welches 25 km außerhalb Nairobis und keine 10 km vom jetzigen Kindergarten entfernt lag. Unmittelbar am Südrand des Nairobi- National Park liegend, bot es sich für den Bau einer Schule an.

Der Schulverein stimmte zu und der Kaufvertrag wurde abgeschlossen. Mit Unterstützung und Hilfe von kenianischen Handwerkern entstand in mühevoller Handarbeit das erste Schulgebäude. Rat und Informationen holte man sich bei der benachbarten Missionsstation. Fragen über Versorgung mit Strom und Wasser tauchten auf. Einen Brunnen bohren zu lassen, war sehr kostspielig. So wurde ein ungenutzter Brunnen gemeinsam mit einem Nachbarn mit Hilfe einer Windradpumpe genutzt. Ein Generator sollte ebenfalls aus finanziellen Gründen nicht angeschafft werden. So einigten sich die Verantwortlichen auf die Nutzung von Solarenergie.

Ein intaktes Telefonnetz blieb in den ersten drei Jahren des Schulbetriebs eine Illusion.

Im August 1991 fand der Umzug in das erste Schulgebäude statt. Mit acht Kindern und ihren Eltern fand im September eine feierliche Einweihung des neuen Klassenraums statt.

Geplant war, dass die Schule bis zur 8. Klasse Jahr für Jahr mit einer neuen nachkommenden Jahrgangsstufe wachsen sollte und die Schüler danach zu einer weiterführenden Schule ihrer Wahl wechseln konnten.

Das selbsterstellte, doppelstöckige Mehrzweckgebäude war spiegelbildlich angelegt, mit einer ebenerdigen Küche in der Mitte und jeweils zwei 30 qm großen länglichen Räumen zu beiden Seiten.

Viele Pläne und Ideen entstanden bereits damals in den Köpfen der Schulgründer. Neben dem Schulbetrieb wurde weiter gebaut und investiert. Die meisten Investitionsgelder kamen aus Europa, vor allem aus Deutschland. Patenschaftsgelder für einige kenianische Kinder, die ansonsten keine Schule hätten besuchen können und Einnahmen über den Handel mit kenianischen Kunsthandwerkartikeln, überbrücken finanzielle Lücken.

Die „Freunde der Erziehungskunst“, eine internationale Spendenorganisation und der Entwicklungshilfefond der Treuehandstelle Bochum, standen mit finanzieller Unterstützung hilfreich zur Seite. Auch die eigene Schulwerkstatt, die sich im Laufe der Jahre aufbauen ließ, trug mit der Herstellung und dem Verkauf von Puppen zu einem lohnenden Verdienst bei. Es wurden Tombolas, Sommerfeste und Auktionen veranstaltet.

Im Laufe all dieser Pionierjahre mussten Krisen, Fehl- und Rückschläge verarbeitet und mit neuer Motivation und Engagement angegangen werden. Lösungen und Entscheidungen mussten und wurden gefunden und getroffen, sowohl in pädagogischer als auch finanzieller oder baulicher Hinsicht.

Das Lehrerkollegium bestand und besteht aus internationalen Mitarbeitern. Von Jahr zu Jahr erweiterte es sich um einige Kollegen. Praktikanten aus vielen Ländern bereicherten mit ihrer Anwesenheit den wachsenden Schulbetrieb. Da einige Schüler einen weiten Schulweg bewältigen mussten, wurde ein Wocheninternat eingerichtet. Von Montag bis Freitag blieben einige der Schüler an der Schule und wurden von Pädagogen betreut.

Inzwischen ist die Mbagathi-School nach vierzehnjährigem Aufbau und ständiger Erweiterung eine vorzeigbare und nicht mehr wegzudenkende pädagogische Einrichtung nach den Grundsätzen „Rudolf  Steiners“. Zur Zeit besuchen rund 120 Kinder Schule und Kindergarten

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